Die Hörskulpturen sind enthüllt!

Münsingen, Hossingen und Jungingen im Killertal haben etwas gemeinsam: Alle drei Gemeinden sind Teil des Projekts „ÜBER DIE DÖRFER – alb: hören“. Seit April waren Tilman Neuffer und Hans Hs Winkler, die unter dem Namen „Unternehmen VOLKSBAUSTELLE“ zusammenarbeiten, auf der Alb unterwegs, um Menschen kennenzulernen und Geschichten zu sammeln. Am vergangenen Wochenende präsentierten sie das Ergebnis ihrer Arbeit: drei Hörskulpturen, die mit jeweils 25 O-Tönen bestückt sind und die Sammlungen der örtlichen Heimatmuseen um lebendige Geschichten erweitern. Sie sind – anders als die z. T. nur selten geöffneten Museen – rund um die Uhr zugänglich. Entstanden sind die futuristisch anmutenden Stationen aus ehemaligen Telefonzellen, die die beiden Künstler mithilfe der LTT-Werkstätten und weiterer Unterstützer bearbeitet haben.

So unterschiedliche wie die drei Gemeinden und ihre Museen waren auch die drei Veranstaltungen. Los ging es am Freitagvormittag auf dem Münsinger Rathausplatz, wo sich trotz beinahe eisiger Temperaturen eine Gruppe von über 20 Interessierten zusammengefand. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Mike Münzing, im Laufe derer der Wind das Enthüllen der Hörskulptur vorwegnahm, stellten die beiden Künstler ihre Arbeit vor und dankten vor allem Stadtarchivar Yannik Krebs und den Münsinger*innen, die bereit waren, ihre Geschichten zu teilen. Einige von ihnen waren zur Eröffnung gekommen und lauschten gespannt den ersten Hörbeispielen, die abgespielt wurden, darunter ernste wie die „Verdrängung der Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung, über die Ulrich Krehl mit den Künstlern gesprochen hatte, aber auch lustige Geschichte wie die „Biergeschichte“ von Elisabeth Kraft: Johanna sollte für ihren Vater Bier holen, trank unterwegs selbst davon und verriet sich dadurch, dass sie den Mund nicht abgewischt hatte.

In Meßstetten-Hossingen ist die Hörskulptur, anders als in den anderen beiden Orten, direkt an der Wand des Heimatmuseums angebracht – und stieß bei den über 30 Besucher*innen am Samstag auf so großes Interesse, dass der zweite Teil der Veranstaltung noch etwas warten musste. Dabei hatte Museumsleiter Thomas Neher etwas ganz Besonderes vorbereitet: Mit einem schwäbischen Dudelsack und einer Leier sorgte er für die musikalische Untermalung, während die Gäste sich bei Most und Schmalzbrot aufwärmen konnten. Besonders schön war, dass den Hossinger*innen gleich noch mehr Geschichten einfielen, die in gemütlicher Runde geteilt und von Thomas Neher sofort mitgeschnitten wurden. Die SD-Karten in den Hörskulpturen sind austauschbar und so können die Geschichten nach und nach um neue ergänzt werden.

Die dritte und letzte Präsentation fand in Jungingen statt. Dort betreibt die Arbeitsgemeinschaft Heimat ein tolles Museum im Dachgeschoss der Grundschule. Inmitten der Sammlung fanden sich am Sonntag über 40 Personen ein, denen ein vielfältiges Programm geboten wurde: Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister Harry Frick und das Künstlerteam gab es dieses Mal nicht nur Hörbeispiele vom Band. Museumsleiter Ludwig Bosch las gemeinsam mit Rosemarie Merz einen Dialog, der ganz absichtlich schwer zu verstehen war. In dem von Bosch selbst verfassten Text waren nämlich Worte aus der Hausierersprache, dem sogenannten „Pleisna“ eingebaut, die früher verwendet wurden, wenn kein anderer mithören sollte. Der Stuttgarter Grafiker und Künstler Matthias Bumiller, der in Jungingen aufgewachsen ist und auch schon Bücher über den Ort veröffentlich hat, hatte einen Text über Übernamen mitgebracht: Da in Jungingen viele gleich (häufig „Bosch“ oder „Bumiller“) heißen, hat fast jeder einen Spitznamen. Nach einer Einlage der Peitschenknaller aus dem Nachbarort Killer wurde schließlich die Hörstation enthüllt.

Münsingen, Hossingen und Jungingen sind natürlich immer eine Reise wert, aber wer keine Zeit hat, hinzufahren, die Geschichten aber trotzdem anhören möchte, findet auf der Webseite des „Unternehmen VOLKSBAUSTELLE“  eine Auswahl an O-Tönen. Den Katalog zum Projekt kann man sich hier herunterladen.

Wir, das Team der THEATERWERKSTATT, freuen uns sehr über drei gelungene Veranstaltungen, das große Interesse und die Begeisterung in allen drei Orten und bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung, insbesondere bei den beteiligten Gemeinden und Museen und bei den Menschen, die bereit waren, ihre Geschichten zu erzählen!

 

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Hörskulptur auf dem Münsinger Rathausplatz

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Hörskulptur am Hossinger Heimatmuseum

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Heimatmuseum Jungingen

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