Münsinger Museen

Yannik Krebs, Stadtarchivar von Münsingen, über die drei Münsinger Museen:

Ich bin seit Januar 2017 für drei Münsinger Museen verantwortlich: das Stadtmuseum Münsingen, das Jüdische Museum und die Erinnerungsstätte Matthias Erzberger, beide in Buttenhausen. Das Stadtmuseum im Schlossgebäude gibt es schon seit etwa 110 Jahren. Das Besondere an diesem Museum ist seine moderne Präsentationsform. Bis es 2009 umgestaltet wurde, war es ein klassisches Heimatmuseum. Im Stadtmuseum wird die Geschichte der Stadt und der Region anhand verschiedener Aspekte des gesellschaftlichen Lebens präsentiert. Der 1482 geschlossene Münsinger Vertrag ist das „Herzstück“ des Museums. Durch einen sehr anschaulichen Film lässt sich das Zustandekommen dieses Vertrages sowie seine Bedeutung für Württemberg sehr gut verstehen und begreifen: Württemberg wurde wieder vereint und die Teilbarkeit des Landes beschlossen. Außerdem bekamen die Landstände mehr Rechte und Mitsprachemöglichkeiten. Das Museum ist recht groß, aber wir haben trotzdem ein Platzproblem, weil es keinen Raum für größere Veranstaltungen gibt. Um kleinere Museen weiterhin attraktiv zu halten, muss man kontinuierlich neue Aktionen planen und umsetzen, damit die Arbeit lebendig bleibt und möglichst viele Besucher anspricht. Wir haben diesen (2017) und nächsten Herbst jeweils eine Sonderausstellung geplant, es finden Vorträge statt und zusätzlich gibt es diverse Stadtrundgänge durch die Teilorte.

Buttenhausen hat eine jüdische Vergangenheit. Teilweise haben dort zur Hälfte Christen und Juden gewohnt und sehr harmonisch zusammengelebt – bis das dann leider in der Zeit des Nationalsozialismus nicht mehr möglich war. 2013 wurde das Jüdische Museum in einem Gebäude eingerichtet, das früher die Bernheimersche Realschule war (gestiftet von Lehman Bernheimer für Bildung für Christen und Juden). Bevor es das jetzige Museum gab, hatte Walter Ott aus Buttenhausen schon ganz viel zur dortigen Jüdischen Geschichte geforscht. Auf ihn geht das Museum indirekt zurück, er hatte schon in den 1990er Jahren kleine Räume eingerichtet.

Darüber hinaus steht in Buttenhausen noch das Geburtshaus von Matthias Erzberger. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat diese Räumlichkeiten konzipiert. Erzberger war Reichsfinanzminister in der Weimarer Republik und wurde 1921 von Rechten im Schwarzwald ermordet. Er ist nach seiner Ausbildung ins journalistische Fach gewechselt und hatte dann für die Zentrumspartei kandidiert. Er war der jüngste Abgeordnete, der in den Reichstag einzog, ist nach Berlin gegangen und hat sich hochgearbeitet. Er war ein umtriebiger Mann, ist angeeckt, war ein schwäbischer Schaffer. Angefeindet wurde er wegen des Waffenstillstandsvertrags nach dem Ersten Weltkrieg, dem sogenannten „Versailler Schandfrieden“, den er trotz der sehr harten Bedingungen unterzeichnet hat. In der Zwischenzeit haben Forscher herausgefunden, dass er von der deutschen Regierung beauftragt wurde, den Vertrag zu unterschreiben, egal zu welchen Bedingungen. Außerdem wurde von der politischen Rechten sein Herkunft aus Buttenhausen instrumentalisiert: Er wurde als „Jude“ verunglimpft und das Gerücht, dass er jüdischen Glaubens war, hält sich bis heute. Dabei war er einer der wenigen Katholiken im Ort.

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